Nur Engel, Vertrauen & nie mehr ohne Jacke außer Haus

Heute Vormittag waren Tida und ich im Mini Prico einkaufen. Wir wollten neben Lidl und Pingo doce mal die dritte Einkaufsmöglichkeit im Umkreis von 5 Minuten testen. Abgesehen von den winzigen Lädchen, die es hier überall gibt. Ich sag nur 80 Cent für 6 Liter Wasser. Nach dem Einkauf in Leggins, habe ich beschlossen in Shorts und T-Shirt nach Caxias zu fahren. Es war wieder super warm.

Das sind Moment in denen ich sage es gibt Engel!

In Caxias ausgestiegen, fängt es an zu regnen und ich frage mich, warum ich weder Regenschirm noch Jacke mitgenommen habe. Auf einmal taucht auf halben Weg hinter uns Miguel mit einem riesigen Regenschirm auf. Drückt ihn uns in die Hand und läuft schneller, als wir, vor. Das sind Moment in denen ich sage es gibt Engel! Miguel ist jeden Tag in Batoto, schon etwas älter (vll. 24?!) und hat eine leichte geistige Behinderung. Wenn er spricht, merkt man das ein wenig. Keine Ahnung woher er kam und warum er einen riesigen Regenschirm für uns dabei hatte. Ein Engel eben.

In Batoto Yetu haben wir mit Susana über unsere Aufgaben und unsere eigenen Ideen geredet. Susana fand meine Idee ein Memorie mit Symbolen, den englischen und den portugiesischen Begriffen richtig gut. So können die Kids Englisch und ich Portugiesisch lernen. In der freien Wirtschaft würde man das eine Win-Win-Situation nennen 🙂 Auch wollte ich in allen Räumen an allen Gegenständen Postits anbringen mit dem englischen und portugiesischen Begriff. Wurde ebenfalls als gut empfunden 🙂

Den Alltagsschischi, lernen wir ja schließlich im Alltag. Hahaaa, das kann ja was werden 😀

Dann hatte Susana die Nachricht für uns! Wir bekommen endlich unseren portugiesisch Unterricht und er beginnt schon heute! Yeah, wir haben uns voll gefreut, weil wir es echt nicht abwarten können Portugiesisch zu lernen. Um 5 Uhr haben wir uns von Caxias aufgemacht und so um halb 7 waren wir dann da. Ja, das wird jeden Mittwoch eine halbe Weltreise. Zug, Metro, Bus. Aber wir finden bestimmt noch einen easier way. Den Unterricht haben wir bei SPIN, eine Organisation, die selber Freiwillige hat. Und so wurden wir super nett empfangen, haben alle kennen gelernt, saßen draußen ein wenig zusammen, es gab Essen und Trinken und haben gequatscht. Aneta, eine Polin, die Englisch und Portugiesich studiert hat und seit 5 Jahren in Lissabon wohnt und bei SPIN arbeitet, unterrichtet uns.Von 19-20:30 Uhr gings dann an die Arbeit und nunja, alle können schon was, nur wir nicht 😀 Aneta ist auch mega streng und meinte so, es liegt an uns, wir werden viele Hausaufgaben bekommen und müssen lernen. Im Unterricht wird sie hauptsächlich Grammatik und Vokabeln mit uns machen. Den Alltagsschischi, lernen wir ja schließlich im Alltag. Hahaaa, das kann ja was werden 😀

Als wir uns danach auf den Heimweg gemacht haben, war es schon dunkel und auch echt kalt. Schließlich hatte ich immer noch nur Shorts und T-Shirt an. Wer konnte dann ahnen, dass der Tag so verläuft, wie er verläuft und ich eine Jacke brauche? Mit den anderen Freiwilligen sind wir dann zur Bushaltestelle gelaufen und Matheo hat uns dann gefragt, ob uns kalt ist und ob wir eine Jacke haben wollen. Schwups holt er aus seinem Rucksack einen Pulli für mich und eine Jacke für Tida. Italiener halt 😀 Dann sind wir in den Bus eingestiegen und als die anderen alle ausgestiegen sind sagt Matheo zu uns wir sollen ihm die Sachen einfach nächsten Mittwoch wieder mitbringen und er hat nochmal betont, dass er den Pullover wirklich liebt. Ich soll also auf ihn aufpassen 🙂 Ich sag doch, nur Engel unterwegs heute!!!

Vertrauen ist unglaublich wichtig und wir tun es viel zu wenig.  Nicht nur anderen vertrauen, sonder auch sich selbst.

Und so hatten Tida und ich wieder eines unsere 5 Minuten Tiefgang Gespräche. Wie schön es doch ist, dass manche Menschen noch vertrauen. Einfach so, ohne auch nur 3 Sätze mit ihIMG-20140918-WA0001[1]m gesprochen zu haben gibt er uns Pullover und Jacke und vertraut auch noch darauf, dass er die Sachen wieder bekommt. Vertrauen ist unglaublich wichtig und wir tun es viel zu wenig. Nicht nur anderen vertrauen, sonder auch sich selbst. Ich glaube das eigene Gefühl sagt einem schon, ob eine Person vertrauenswürdig ist, oder nicht. Na klar kann ich skeptisch durch die Welt gehen und alles mit Vorsicht genießen. Ich kann aber auch jeden Tag neue Menschen kennenlernen und das geht nur mit Vertrauen. Vielleicht manchmal sogar mit Naivität. Manche mögen es dumm nennen, wenn ich nachts um 1 Uhr, alleine, im Dunkeln, eine viertel Stunde durch den Wald am Böllenfalltor zu irgend einem Rave gelatscht bin. Ich nenne das Mut. Oder noch nicht mal. Ich finde einfach, dass ich das genauso darf wie ein Junge. Ich habe auf mich vertraut, darauf, dass mir nichts passiert und darauf, dass da kein Bekloppter rumrennt, der mich absticht. Allgemein laufe ich gerne irgendwo alleine hin, oder zurück. Ich weiß auch nicht so recht warum 🙂

In der Metro haben wir dann einen anderen Freiwilligen getroffen, der schon seit Februar da ist und deshalb nicht am Sprachkurs teilnimmt, aber am Anfang beim Kennenlernen dabei war. Der sagte uns dann, dass er gleich die anderen Freiwilligen trifft und alle gemeinsam auf ein Konzert gehen, ob wir mit wollten. Wir sind einfach mal mitgekommen und siehe da, auf einmal haben wir alle, die wir gerade im Bus verabschiedet hatten wieder gesehen. Ja, da mussten wir alle mal kurz lachen. Vor allem weil die anscheinend auch mit der selben Metro gefahren sind, nur eine Haltestelle früher eingestiegen sind als wir.

Tja, Lissabon wird immer spontaner, habe ich das Gefühl. Auf jeden Fall gehe ich jetzt nicht mehr ohne Jacke außer Haus!

Mit Matheo, Thomaso, Natalia, Lidia, Erica, Serena und dem Metrotyp, dessen Namen ich mir einfach nicht merken kann, sind wir dann ins Café Tati gegangen und haben ein kleines Blues/Jazz/Swingkonzert – kann die Musikrichtung nicht einordnen – (nur Instrumental) angehört. Es war richtig cool, mit Kontrabass, Minipiano, Schlagzeug und E-Gitarre. Und wir saßen in der ersten Reihe auf ner Couch, ca. 2 Meter von der Band entfernt. DIMG-20140918-WA0003[1]anach sind wir zur Bahnstation gelaufen, haben uns verabschiedet und sind nachhause gefahren. Das ich abends mit 7 neuen Menschen ein Minikonzert genieße, hatte ich auf dem Weg nach Caxias noch nicht gedacht. Tja, Lissabon wird immer spontaner, habe ich das Gefühl. Auf jeden Fall gehe ich jetzt nicht mehr ohne Jacke außer Haus! Ich habe mich nämlich schon am Sonntag erkältet und so langsam fühle ich mich krank….. Naja, jetzt mummel ich mich ein und morgen schlafe ich aus 🙂

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