Nachdem ich den halben Montag verschlafen hatte, weil ich bis morgens um 6 Uhr feiern war – im Opart (mega geiler, winziger Technoclub, 10 Minuten von uns, direkt am Tejo) – hab ich mich super gefreut, als ich nach meinem Erwachen um 16:40 Uhr (oder sowas) eine Mail von Susana gelesen habe, in der sie meinte, dass wir heute auch noch frei haben. Optimaaaal! Läuft bei mir, dachte ich, und so haben wir den kompletten Montag nen Chilligen gemacht und festgestellt, dass wir ganz viele englische Fernsehsender empfangen 🙂
ich hatte uns vor meinem inneren Auge schon am Strand entlang spazieren sehen
![DSC_0733[1]](https://24siebenlisboa.com/wp-content/uploads/2014/09/dsc_07331.jpg?w=167&h=300)
Die Blätterteig-Sahnepudding-Törtchen von denen alle so schwärmen. Und, oh mein Gott, die Dinger sind wirklich gut!
Wir also zurück gefahren, in das Grau. Ein wenig durch die Stadt spaziert, ich immer mit dem Reiseführer verzweifelt auf der Suche, wo wir gerade sind. Dann die „Rote Straße“ (die Party/Club Straße) mal bei Tageslicht und ohne Menschenmassen angeguckt und hoch nach Bairro Alto gesteppt. Tida und ich wollten in einen Laden, den wir Abends beim Weggehen entdeckt hatten (Secondhand, Firsthand, Schnickschnack & Platten).
und irgendwie hatte ich auf einmal das Gefühl, dass mein Leben gerade perfekt ist. Mit diesem läppischen 1,75 Euro Cappuccino aus nem Pappbecher
Vorher haben wir uns
auf den Largo de Camoes gesetzt (der Platz in Bairro Alto, an dem immer was los ist – 24/7), einen Cappuccino getrunken und unsere ersten pastéis de nata gegessen. Die Blätterteig-Sahnepudding-Törtchen von denen alle so schwärmen. Und, oh mein Gott, die Dinger sind wirklich gut! So saßen wir da eine ganze Weile, haben die Leute und das Treiben beobachtet und irgendwie hatte ich auf einmal das Gefühl, dass mein Leben gerade perfekt ist. Mit diesem läppischen 1,75 Euro Cappuccino aus nem Pappbecher, (der echt groß war!) der von richtigem Milchschaum wohl noch nie etwas gehört hatte, Mini-Puddingtörtchen, Tida neben mir und dem Trubel um mich herum. So habe ich auch über meine Angst geredet, dass ich mich nicht für eine Sache (Studium/Ausbildung etc.) entscheiden kann bzw. mich nicht festlegen möchte. Ich habe einfach Angst, dass mich nur ein Themenbereich nicht erfüllt, ich mich langweile und dadurch auch nicht gut darin bin. Ich will so vieles und doch irgendwie nichts. Aber genau in diesem Moment, auf dem Largo de Camoes schien mein Leben, trotz alle dem, perfekt 🙂
Der Begriff „Deutsche Bahn“ hat da drinn gleich einen ganz anderen Sinn bekommen
Danach gings in den coolen Laden, und ja, er ist auch von innen top! Es lief fette Mukke von der Platte, die Besitzerin ist irgendeine alte Engländerin und das eine Lied hat so gerooved, dass ich tanzend vor den Platten stand und gestöbert habe und Tida die Frau nach dem Musiktitel gefragt hat 🙂 Danach gings genauso spontan weiter. Wir sind einfach mal in die Elektrik 28 gehopst. „Die Straßenbahn“, oder nennen wir es Ein-Wagon-Bähnchen, die man hier anscheinend mal gefahren sein muss. Der Begriff „Deutsche Bahn“ hat da drinn gleich einen ganz anderen Sinn bekommen. Nur Touristen! Stehend gings durch enge Gassen bis zur Endhaltestelle. Da sind wir dann einfach mal auf den Cemitério dos Prazeres, ein riesiger Friedhof, der, wie mein Reiseführer ihn beschreibt, an eine eigene kleine Stadt erinnert, gelaufen. Das sind keine Gräber, wie man sie bei uns kennt, nein, da stehen einfach winzige Häuschen, eins neben dem anderen.
Ich würde mal sagen, der Friedhof ist mein erster, persönlicher Geheimtipp
Ich natürlich, immer auf der Suche nach dem besten View, rum g
estreunert bis ich eine super Ecke gefunden habe, von der man einen richtig tollen Blick auf Alcantara (ich hab sogar unser Haus gesehen :)), den Tejo, Jesus und Ponte 25 de Abril (die Brücke) hat. Ich würde mal sagen, der Friedhof ist mein erster, persönlicher Geheimtipp. Hier trifft man nämlich keine Menschenseele, höchsten am Eingang mal. Und wenn man kein Problem mit der leicht gruseligen Stimmung, die auf so einem Friedhof so herrscht, hat, ist das ein toller Platz zum runter kommen und die Stille genießen.
Ich kann es gar nicht abwarten dann auf portugiesisch zu meckern
Danach wollten wir wieder in die Electrico 28 steigen und dieses mal einen Sitzplatz ergattern. Pah, Pustekuchen! Als wir uns an die Haltestelle gestellt haben, wurden wir von hinten dumm angemacht, dass wir uns hinten anstellen müssen. Achsooooo, ja klaaar, jetzt gibt’s an Haltestellen schon Einstiegsschlangen. Vor allem wurde uns das nicht normal gesagt, nein, es wurde gepfiffen wir drehten uns um und dann guckte uns eine Frau unfreundlich an und schnickte mit ihrem Kopf nach rechts in Richtung Ende der vermeintlichen Schlange, die aus locker 40 Leuten bestand. Touristen halt! Ich kann es gar nicht abwarten dann auf portugiesisch zu meckern.
Zum ersten mal weiß ich, wie es sich anfühlt, in einem Land, dass sein Zuhause ist, wie ein Ausländer behandelt zu werden
Vor allem, weil hier niemand davon ausgeht, dass ich Portugiesin bin. Mir wurde schon gesagt ich sehe skandinavisch aus. Wieder jemand anderes meinte, wie eine Russin. Und so wundert es nicht, dass ich in Geschäften schon ganz selbstverständlich in Englisch angesprochen werde, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben. Zum ersten mal weiß ich, wie es sich anfühlt, in einem Land, dass sein Zuhause ist (ja, für die nächsten 6 Monate ist Portugal mein zuhause und ich fühle mich hier auch echt wohl), wie ein Ausländer behandelt zu werden. Anderen Menschen geht es genauso in Deutschland und die können die deutsche Sprache. Das kann ich von mir und Portugiesisch nicht behaupten und trotzdem fühlt es sich kacke an! Ich habe schon über Selbstbräuner, für den südländischen Tein nachgedacht 😀
ZZZZZ….dann fahren wir eben Bus. Wir sind einfach in irgendeinen Bus eingestiegen, keine Ahnung wo der uns hinführt, aber der Tag war eh schon so locker und spontan, also warum nicht einfach so weiter machen?! So haben wir eine etwas andere Stadtrundfahrt bekommen, haben tolle Plätze gesehen und sind am Amoreiras Shoppingcenter vorbei gekommen. Sieht schick aus. Begutachten wir bestimmt auch mal von innen 🙂
das Wetter wollte uns heute wohl sagen, dass wie vor 14 Uhr nicht aus dem Haus sollen
An der Endhaltestelle sind wir dann umgestiegen. Auf dem Plan haben wir irgendetwas
mit Alcantara gelesen, also rein mit uns, in den Bus. Der hat dann auch fast vor unsere Haustüre gehalten. Wir mussten nur die Straße hoch und die sind wir dann spontan auch noch eine Station mit einem anderen Bus gefahren. Läuft bei uns 😉
Wir haben gegessen, ich hab ein bisschen auf dem Balkon abgehangen (zu schmal zum sitzen, aber stehen geht gut), den ich irgendwie ganz schön mag, warum auch immer, und das Wetter wollte uns heute wohl sagen, dass wir vor 14 Uhr nicht aus dem Haus sollen. Mit Regen hatten wir ab da, nämlich kein Problem mehr 🙂 Morgen gehts um halb 3 wieder nach Caxias. Mal schauen was die neue Arbeits-Woche so für uns bereit hält 🙂
Na Tochter, das ist ja schon nahe an Literatur…….Dein Vater aus Birmingham
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